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Florida

Auf Fritz Pölkings Spuren

Naturfotografie im südlichen Florida
Von Thomas Block


„Am liebsten arbeite ich in Südflorida.“ Das hat vor gut einem Jahrzehnt einer niedergeschrieben, der viel von der Welt gesehen hat und der eine ganze Generation von Naturfotografen in Deutschland geprägt hat – Fritz Pölking. Kaum ein Bücherregal, in dem nicht mehrere seiner Werke zu finden sind. Mit seiner Begeisterung für die Naturfotografie im südlichen Florida hat er nicht nur mich angesteckt, denn die vielfältigen Gründe für seine Favorisierung sind heute genau so aktuell wie damals.

Naturfotografisch interessante Reiseziele in Südafrika oder den Polargebieten lassen sich für den „Durchschnittsnaturfotografen“ kaum sinnvoll ohne organisierte Touren bereisen. Etliche Fotografen bevorzugen es jedoch, abseits der geführten Touren ein Gebiet und die Schönheit seiner Natur für sich selbst zu entdecken. Aufgrund der ausgezeichneten Infrastruktur mit preisgünstigen Flügen, Mietwagen und Motels bietet Florida hierfür die besten Voraussetzungen. Es ist vergleichsweise einfach, detaillierte aktuelle Informationen vor Reisebeginn zusammenzutragen, und so kann kaum noch etwas schief gehen, wenn der Flieger Richtung Miami startet. Die beste Reisezeit liegt zwischen Dezember und April, in der Brutzeit einer Vielzahl von Vogelarten, noch bevor sommerliche Hitze, Heerscharen von Mosquitos und drohende Hurrikans die Saison ausklingen lassen. Florida eignet sich auch ganz besonders, wenn man die Naturfotografie mit einem Familienurlaub kombinieren möchte, denn viele der für die Naturfotografie interessanten Plätze liegen in unmittelbarer Nähe touristisch attraktiver Orte und so ist es möglich, die ersten Stunden nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang der Fotografie zu widmen und dazwischen einen klassischen Strandurlaub zu genießen.

Artenvielfalt und geringe Scheu

Diese Annehmlichkeiten sind es nicht allein, die die Naturfotografie in Florida so interessant machen, sondern vor allem die große Artenvielfalt und die geringe Fluchtdistanz der Tiere. Man verfällt zunächst in ungläubiges Staunen, dass man sich auch bei in Deutschland anzutreffenden Arten wie Fischadler oder Silberreiher bis auf wenige Schritte nähern kann ohne die Tiere in ihrem natürlichen Verhalten zu beeinflussen. Unzählige exotischere Arten wie Alligatoren, Krokodile, Rosa Löffler und Dreifarbenreiher bereichern das Motivspektrum. Bereits während meiner ersten Floridareise konnte ich rund 50 verschiedene Vogelarten auf den Chip bannen.


Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Bilder von Fritz Pölking, die eine Ansammlung von 30 Naturfotografen hinter ihren Teleobjektiven vor der Vogelinsel in Venice zeigen? Dies ist in Florida durchaus nichts Ungewöhnliches. Aber es ist auch möglich, abseits der bekannten Hotspots und Touristenpfade Sonnenaufgänge an paradiesischen, menschenleeren Sandstränden umgeben von Watvögeln zu erleben. Wenn man bedenkt, dass Florida nun seit Jahrzehnten von Naturfotografen aus vielen Ländern bereist wird, könnte man zu der Auffassung gelangen, dass man dort kaum Bilder machen könne, die man nicht schon unzählige Male gesehen hat. Dem möchte ich widersprechen, denn die Artenvielfalt und die geringe Scheu der Tiere ermöglichen es, sich mit einem Motiv intensiv auseinander zu setzen und aufgrund der guten Reproduzierbarkeit bestimmter Situationen immer neue Bildideen zu realisieren.

 

Von den Everglades zur Golfküste

Die Reiseroute für einen zwei- bis dreiwöchigen Aufenthalt beginnt zumeist in den Everglades. Hier ist der legendäre Anhinga Trail oft das erste Ziel. In der bevorzugten Reisezeit kann man dort unter anderem Alligatoren sowie die namensgebenden Schlangenhalsvögel aus nächster Nähe beim Brutgeschäft beobachten.

Und stößt gleich auf das erste fotografische Problem, das einem unter anderem auch im Merrit Island National Wildlife Refuge begegnet: Die Tiere befinden sich in Gräben, die deutlich tiefer als der Weg angelegt sind, was eine ungünstige Perspektive zur Folge hat. Wenn man sich jedoch, sehr zur Verwunderung der oft in großer Anzahl hinter ihren voll ausgefahrenen Stativen stehenden Fotografen, auf den Boden legt, sind die Bildergebnisse schon wesentlich ansprechender.
Am südlichen Ende der Everglades liegt Flamingo. Hier hat sich die Natur nach den verheerenden Hurrikans des Jahres 2005 mittlerweile wieder gut erholt, und etliche Brutpaare Fischadler stellen neben den seltenen Amerikanischen Spitzkrokodilen die Hauptattraktion dar. Die einzige Übernachtungsmöglichkeit am südlichen Ende der Everglades ist derzeit der Zeltplatz in Flamingo, und es ist noch nicht abzusehen, inwieweit in Flamingo wieder eine touristische Peripherie aufgebaut werden soll.

Die Reise geht weiter Richtung Nordwesten über die sehenswerten Sumpflandschaften des Big Cypress National Preserve zur Golfküste. Einer der beliebtesten Orte für Naturfotografen ist dort die Little Estero Lagoon bei Fort Myers Beach, in der sich vor allem bei Niedrigwasser Reiher, Pelikane und Watvögel tummeln.

Etwas weiter nördlich liegt Sanibel Island, eine wunderschöne Ferieninsel mit einem ganz besonderen Charme, dem schon Fitz Pölking erlegen ist. Auf Sanibel liefert der Wildlife Drive im J.N. Ding Darling National Wildlife Refuge die besten Fotomöglichkeiten am frühen Morgen bei Niedrigwasser. Wenngleich Ding Darling in den letzten Jahren nicht mehr die frühere „Motivgarantie“ bietet, lohnt sich ein Besuch noch immer. Rund um Estero und Sanibel gibt es eine Vielzahl weiterer lohnenswerter Spots, unter anderem im Stadtgebiet von Cape Coral, wo in der Nähe der öffentlichen Bibliothek Kaninchenkauze in den Abendstunden fotografiert werden können. Nicht weit entfernt, am „BMX-Centrum“, findet man den Horst der Weißkopfseeadler, der schon von Pölking beschrieben wurde. Wenn man einen kombinierten „Familien- Naturfotourlaub“ machen möchte, ist diese Region rund um Fort Myers an Floridas Westküste am Besten geeignet.

Weiter nördlich im Stadtgebiet von Venice liegt die eingangs erwähnte Brutinsel verschiedener Reiherarten. Reist man im März oder April nach Florida, sollte Fort DeSoto Park in der Tampa Bay unbedingt auf dem Programm stehen. Am Nordstrand lassen sich dort morgens Aztekenmöwen und Scherenschnäbel bestens fotografieren. Abends finden sich in der Lagune am Nordstrand neben Watvögeln auch regelmäßig Rosa Löffler und Waldstörche ein. An der Ostküste Floridas bieten sich die Viera Wetlands bei Melborne und das Merrit Island National Wildlife Refuge bei Cape Canaveral als Reiseziele auf dem Rückweg nach Miami an. Wenn die Zeit noch reicht, kommt dann noch ein Ausflug auf die Florida Keys mit seinem vorgelagerten Korallenriff in Betracht. Auf Big Pine Key leben die letzten Bestände des zutraulichen Key Deer, einer kleinwüchsigen Unterart des Weißwedelhirschs.

Ausrüstung und Reisevorbereitung

Grundsätzlich kann man in Florida mit Brennweiten von 300 mm formatfüllende Vogelportraits aufnehmen. Trotzdem ist der Einsatz längerer Brennweiten oft sinnvoll, da nur so eine ausreichende Freistellung des Motivs vom Hintergrund möglich wird. Bewährt haben sich 200-400er bzw. 100-400er Zoomobjektive in Kombination mit einer 500er Festbrennweite. Nicht mehr verzichten möchte ich auf meinen „Beach Rolly“, den ich demontiert im Koffer transportiere und der bei langen Wegen am Strand zum einen den Transport der Ausrüstung sehr erleichtert und zum anderen diese auf Distanz zum allgegenwärtigen feinen Sand hält.

Bei einer Rundreise durch Florida kann man durchaus auf die vorherige Buchung von Übernachtungsmöglichkeiten verzichten, um vor Ort flexibel zu bleiben. Allerdings kann eine Reservierung in der Hochsaison zwischen Dezember und Februar an der Golfküste vor allem an Wochenenden sinnvoll sein. Richten Sie es wenn möglich so ein, dass Sie bei morgendlichem Niedrigwasser die Golfküste besuchen.

Für die Reisevorbereitung sind die im Internet erhältlichen Publikationen von Arthur Morris mit präzisen Ortsangaben sehr hilfreich, und gerne wird man bei dieser Gelegenheit auch wieder eines von Fritz Pölkings Büchern aus dem Schrank holen und in seinen Florida-Berichten schwelgen.

 
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