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Interview für Globetrotter: „Zwischen Akten und Auslöser“

Im  Oktober steht bei mir wie jedes Jahr die Vorbereitung auf das Internationale Naturfotofestival der GDT im Vordergrund. Da war ein Interview für 4-Seasons.de ein willkommenes Intermezzo. Der sehr nette Kontakt zur Redaktion von 4-Seasons entstand, da einige meiner Bilder auf der neuen iPad-App von Globetrotter gezeigt werden. Themen des Interviews waren mein Weg zwischen  Steuerberatungskanzlei und Naturfotografie, Konkurrenz und Zusammenarbeit von Naturfotografen und natürlich die GDT. Das vollständige Interview lesen Sie bei einem Klick auf den Screenshot

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Low Budget Unterwasserfotografie mit der EOS 5D II

 

Unterwasserfotografie ist eine interessante Facette der Naturfotografie, die in der Regel nur Spezialisten vorbehalten bleibt. Der Grund hierfür sind die enormen Kosten einer Unterwasser-Foto-Ausrüstung, die Quereinsteiger abschrecken. Gleichwohl wäre es für viele Naturfotografen sehr interessant, gelegentlich unter Wasser zu fotografieren – sei es, um das eigene Portfolio zu erweitern oder um auch den UW-Aspekt einer Dokumentation über eine bestimmte Location mit abdecken zu können.

 

Der folgende Beitrag soll untersuchen, ob und mit welchen Kompromissen bezahlbare Unterwasserfotografie mit der Spiegelreflexkamera möglich ist. Als Ausgangsbasis dient die Canon EOS 5D II mit dem EF 17-40 L, einer sehr beliebten Kombination in der Naturfotografie.

Bereits mit einem preiswerten Weichplastikgehäuse lassen sich ansehnliche UW-Aufnahmen machen.

 

Grundlagen

 

Drei Aspekte sind bei der Unterwasserfotografie zu beachten: Erstens die Absorbierung der Spektralfarben des Lichts bei zunehmenden Tiefe. Bereits bei einer Tauchtiefe von 2 Metern werden rote Farbtöne nur noch sehr abgeschwächt abgebildet, mit zunehmender Tiefe verschwinden weitere Farben, so dass bald nur noch Blau zu sehen ist. Diesem Effekt lässt sich ausschließlich durch künstliche Lichtquellen, insbesondere Blitzlicht entgegenwirken. Damit kommen wir auch schon zum zweiten Aspekt, dem Abstand zum Motiv: Wasser hat bekanntlich eine deutlich höhere Dichte als Luft und enthält zudem oft viele Schwebteilchen. Umso weiter nun die Entfernung zum Objekt und umso trüber das Wasser ist, desto schlechter werden die Bilder. Zudem befinden sich bei zunehmender Entfernung immer mehr Schwebteilchen zwischen Motiv und Kamera, die auch die Blitzfotografie durch Reflexionen sehr beeinträchtigt.

 

Darum lautet eine Grundregel der Unterwasserfotografie: Möglichst nah ran ans Motiv und sorgfältig mit künstlichem Licht ausleuchten!

 

Möglichst nah ran führt uns zum dritten Aspekt: Der Brennweitenverlängerung im Wasser. Fotografiert man unter Wasser durch eine Planscheibe, verlängert sich die Brennweite um den Faktor 1,3. Bei Weitwinkelobjektiven unter 28 mm kommt eine erhebliche Randunschärfe hinzu. Vermeiden lässt sich beides durch den Einsatz eines Domeports – eines stark gewölbten Frontglases im Unterwassergehäuse.

 

Das Weichplastikgehäuse

 

Das Synonym für Weichplastikgehäuse ist ewa-Marine, die schon seit vielen Jahren Gehäuse produzieren, die den preiswertesten Einstieg (ca. 240 EUR sollen kalkuliert werden) in die Unterwasserfotografie bieten. Die weit verbreitete Skepsis hinsichtlich der Dichtigkeit der Gehäuse ist unbegründet, wenn man – wie auch bei „harten Gehäusen“ – auf ein sorgfältiges Verschließen achtet, denn Weichplastikgehäuse müssen anders als Festgehäuse nicht dem enormen Druckunterschied zwischen dem Inneren des Gehäuses und dem Wasserdruck standhalten, und so ist es theoretisch möglich, mit diesen Beuteln bis zu 50 m tief zu tauchen. Theoretisch. Denn praktisch gesehen schmiegt sich der Beutel bei zunehmender Tiefe so dicht um die Kamera, dass sich diese nicht mehr gut bedienen lässt. Von daher würde ich ewa-marine-Gehäuse  primär für Schnorchler empfehlen. In geringer Tiefe lässt sich die Kamera befriedigend bedienen, wobei der Liveview die bessere Alternative zum optischen Sucher der Kamera ist.

ewa-Marine-Gehäuse mit den im Text erwähnten Ergänzungen.

 

Pimp my ewa-Marine

 

Die Funktionalität des Gehäuses lässt sich schon einmal dadurch deutlich erhöhen, dass man Gewichte im Gehäuse unterbringt, sodass dieses neutral tariert ist. Hierfür ist bei der 5D II ein Softbleigewicht mit ca. 700 gr., das ewa-Marine als Zubehör anbietet, ausreichend. Die zweite entscheidende Verbesserung stellt das Blitzsystem dar. Zwar gibt es von ewa-Marine Gehäuse, die einen Aufsteckblitz aufnehmen, jedoch liegt dieser dann nahe der optischen Achse, was häufig keine befriedigenden Ergebnisse bringt, insbesondere sind angeblitzte Schwebteilchen ein Problem. Die Lösung ist ein externer Sklavenblitz wie der Intova ISS-2000, der für rund 200 EUR in der Bucht zu haben ist und sich sehr gut manuell steuern lässt. Zwei Hürden gilt es aber noch zu überwinden. Der Intova benötigt einen Blitzauslöser oder ein kleines Blitzgerät auf der Kamera, um über ein Lichtleiterkabel angesteuert zu werden. Meine Wahl fiel hier auf das kompakte Speedlite 270EX. Weiterhin gilt es, den Blitz sinnvoll am Gehäuse zu befestigen. ewa-Marine bietet hierzu optional die Montage einer Kamerabefestigung nebst Stativgewinde am Gehäuse gegen Aufpreis an.

 

Mit dieser Konfiguration sind dann schon erstaunlich gute Bilder möglich. Alles in allem sollten Sie mit einer Investition von rund 600EUR rechnen.

 

Folgende Kompromisse müssen Sie eingehen:

  • Beschränkte Eignung für größere Tiefen
  • Schlechte Weitwinkelkompatibilität wegen Planglas
  • Sucher nur bedingt nutzbar, langsamer AF bei Liveview

 

Aufnahme mit ewa-Marine und externem Blitz.

  

Polycarbonat-Gehäuse

 

Einen der günstigsten Einstiege in die Welt der Festgehäuse bilden die durchsichtigen Kunststoffgehäuse der Firma Ikelite aus den USA, die bis 60 m Tiefe genutzt werden können. Bei den Unterwasser-Profis stößt Ikelite auf ein unterschiedliches Echo, manche lieben es, andere hassen es – wobei die meisten der letzten Gruppe noch nicht mit diesen Gehäusen fotografiert haben… Ikelite-gehäuse bieten mindestens den gleichen Funktionsumfang wie die deutlich teureren Metall- oder Kohlefasergehäuse. Mit Ausnahme des Multikontrollers und der Abblendtaste können sämtliche Kamerafunktionen bedient werden. Die entsprechenden Bedienelemente sind sehr ergonomisch angeordnet.  Nachteilig ist bei den Ikelite-Gehäusen das hohe Gewicht (Gehäuse + 8“ Dome + Kamera 6,9 kg) und die etwas klobige Bauform. Beides ist natürlich unter Wasser zu vernachlässigen. Der Service von Ikelite ist nach meinen Erfahrungen sehr gut. Der optische Sucher ist bei Ikelite kein Quell der Freude, was aber bei anderen Herstellern oft auch der Fall ist. Abhilfe schafft hier ein hochwertiger 45°-Sucher von Inon.

Ikelite Polycarbonat-Gehäuse mit 8“ Dome und 45°-Sucher von Inon.

 

Einer der größten Vorteile gegenüber den Weichplastikgehäusen ist die Möglichkeit, verschiedene Frontgläser und Objektivtuben (modulares Portsystem) zu verwenden. Neben Planglas für Makro und gemäßigte Brennweiten sind vor allem die gewölbten Domeports für Weitwinkeloptiken wichtig.

 

Was kostet der Spaß nun? Für 1.750 EUR erhalten Sie das Gehäuse mit dem großen Domeport und Portadapter für das EF 17-40, dessen Zoom auch unter Wasser genutzt werden kann.

 

Ikelite bietet ein Blitzsystem mit ausgezeichnetem Ruf an. Die Preise für leistungsstarke Blitze fangen bei 700 EUR / Stk. zzgl. Halterungen an. Insofern bietet es sich bei gelegentlichem Einsatz an, das Blitzsystem zu leihen. Der deutsche Ikelite-Importeur aus Aachen http://digital-dive.de/bietet beispielsweise zwei Ikelite-Blitze mit allem erforderlichen Zubehör für zwei Wochen für 120 EUR an, wobei dieser Betrag bei sofortigem Kauf nach der Mietzeit wieder gutgeschrieben wird. Das gilt übrigens auch für Leihgehäuse. Ein sehr faires Angebot, wie ich finde.

 

Halb-und-Halb-Aufnahmen sind im ewa-Marine nur mit Einschränkungen auch möglich.

 

Fazit

 

Wer nur ganz sporadisch beim Schnorcheln Bilder machen möchte, wird mit einem ewa-Marine-Gehäuse glücklich. Für alle anderen sind Ikelite-Gehäuse eine gute Alternative, insbesondere wenn man die Möglichkeit in Betracht zieht, Gehäuse und Blitz erst einmal kostengünstig zu mieten und dann bei Gefallen zu kaufen.

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GDT Festival: The Techniques of Underwater Photography

Warum gerade Unterwasserfotografie?

Alex Mustard auf dem Internationalen Naturfoto-Festival der GDT

(c) Internationales Naturfoto-Festival 2011/ Alexander Mustard

 
Dr. Alex Mustard, 32, ist preisgekrönter Meeresbiologe und gilt weltweit als einer der innovativsten und kreativsten Unterwasserfotografen. Er ist Autor zahlreicher Fachbücher, die vielfach übersetzt wurden. Regelmäßig schreibt Alex außerdem für verschiedene internationale Magazine über seine speziellen Techniken der digitalen Unterwasser-Fotografie – insgesamt wurden bisher mehr als 300 Artikel über das Leben im Meer, Tauch- und Unterwasser-Fotografie veröffentlicht.
 
In seiner fotografischen Arbeit nutzt Alex neben digitalen Systemen auch 35mm und Mittelformat-Spiegelreflexkameras. Für seine nachdenklichen, originellen und oft spektakulären Fotografien wurde er vielfach international ausgezeichnet, unter anderem gewann er bereits zweimal den Wettbewerb BBC Wildlife Photographer of the Year in der Kategorie Unterwasser.
  
In dem Tagesseminar „The Techniques of Underwater Photography“ auf dem Internationalen Naturfoto-Festival der GDT vom 28. bis zum 30. Oktober 2011 bietet Alexander Mustard einen faszinierenden Einblick in die Details seiner außergewöhnlichen fotografischen Arbeit. Er erklärt die Vorteile der Unterwasserarbeit und stellt die Ähnlichkeiten und Unterschiede zur Naturfotografie an Land dar. Anhand von Beispielbildern aus seinem Portfolio gibt er Einblicke in einige anspruchsvolle Techniken und die von ihm verwendete Spezialausrüstung.
 

Zum Schluss geht Alex noch auf die zur Verfügung stehenden technischen Mittel für die ersten Schritte in der Unterwasserfotografie ein. Viele Motive lassen sich schon beim Schnorcheln festhalten, und während ein DSLR-Unterwassergehäuse mit allen Schikanen schnell den Preis eines lichtstarken Teleobjektivs erreicht, gibt es durchaus Optionen für jeden Geldbeutel.

 Am Samstagabend (29. Oktober) bietet Alex Mustard mit seinem Bilder-Vortrag „Warum gerade Unterwasser-Fotografie?“ noch ein besonderes Highlight für Unterwasser-Fotografen – und für alle, die sich für großartige Bilder aus dem nassen Element begeistern!

 
Zum 19. Mal lädt die Gesellschaft Deutscher Tierfotografen (GDT) zum Internationalen Naturfoto-Festival in Lünen. Fotografen und Interessierte aus der ganzen Welt kommen zum renommiertesten Festival dieser Art in Europa: neben Live-Vorträgen nationaler und internationaler Naturfotografen, Seminaren und Ausstellungen bieten Produktpräsentationen und Workshops reichlich Gelegenheit zur Fachsimpelei und zeigen neue Entwicklungen in der Naturfotografie auf. Ein großer Fotomarkt informiert über Neuheiten und Bewährtes im Bereich der Fototechnik. Trotz Professionalität und internationalem Flair bieten sich wie gewohnt reichlich Möglichkeiten, um in entspannter, familiärer Atmosphäre mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen und neue Kontakte zu knüpfen. Willkommen in Lünen!

 

Datum: 28. – 30. Oktober 2011
Ort:Veranstaltungszentrum Heinz-Hilpert-Theater/Hansesaal
Kurt-Schumacher-Str. 39-41
44532 Lünen
 

KARTENVERKAUF

Monika Bruisch, Holtenauer Straße 210, D – 24105 Kiel
Email: gdt.festivalkarten@gmx.de, Fon: +49 (0)431 – 820 77, Fax: +49 (0)431 – 5869930

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Bericht Pirmasenser Fototage 2011

Mit 1.666 Bildern von 140 Fotografen, die an 42 verschiedenen Locations in der Stadt Pirmasens ausgestellt waren, gehören die Pirmasenser Fototage mittlerweile zu den größten Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum. Traditionell ist die Sparte der Naturfotografie dort stark vertreten. Für mich war es die dritte Teilnahme an den Fototagen. Wie immer war die Resonanz in der Presse sehr gut.

 

Nachdem bei der letzten Auflage der Fototage die Ausstellung Europäischer Naturfotograf 2008 sowie Bilder der GDT-Mitglieder Sandra Bartocha, Sebastian Erras, Sergey Gorshkov, Marko König und Winfried Wisniewski ausgestellt wurden, wurde diesmal der GDT Naturfotograf des Jahres 2009 in Pirmasens präsentiert und fand wiederum großen Zuspruch. Mit Claudia Müller, Thomas Brocher, Radomir Jakubowski und Marko König waren in diesem Jahr weitere GDT-Fotografen unter den Ausstellern. Die GDT wurde auf dem „Abend der Vereine“ in der FH Pirmasens und auf der Abschlussveranstaltung in der Pirmasenser Festhalle vorgestellt und stieß dabei auf ein großes Interesse beim Publikum.

Bilder von Radomir Jakubowski (Kategorie Landschaft) und mir (Kategorie Tierfotografie) wurden als beste Bilder der Ausstellungen prämiert. Die Veranstalter bedankten sich herzlich für die Unterstützung der GDT, deren Ausstellungen ein Publikumsmagnet waren, und luden die GDT bereits jetzt als Aussteller für die nächste Ausgabe der Pirmasenser Fototage im Jahr 2013 ein. Ich freue mich schon auf die nächste Ausgabe der Fototage!

Bilder (c) Radomir Jakubowski und Thomas Block

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Die Welt von oben zu betrachten…

… bringt spannende neue Einsichten. Luftbild, Flugfotografie, Flugzeugfotografie … es ist nicht einfach, ein griffiges Wort dafür zu finden, worum es in diesem Beitrag geht. Gemeint ist die Fotografie aus dem Flugzeug oder Helikopter heraus.

 

Seit einigen Jahren zieht es mich im Winter nach Südflorida, vornehmlich, um mich der dortigen Vogelwelt fotografisch zu nähern. Aber auch die ursprüngliche Landschaft der Everglades fasziniert mich seit jeher. Die bisherigen Versuche, die Faszination dieser Landschaft in Bildern auszudrücken, waren jedoch von mäßigem Erfolg, da die weiten Ebenen ohne merkliche Erhebungen fotografisch schlecht zu erfassen sind – zumindest vom Boden aus nicht. Ganz anders sieht dies aus der Luft aus – die weiten Sägegraswiesen, geteilt durch mäandernde Flüsse und Baumgruppen, wirken aus der Luft sehr beeindruckend. Wer einmal die Bilder von Yann Arthus Bertrand oder Hans Strand betracht hat, kann sich dieser Art der Fotografie „von oben“ kaum entziehen.

 
Da ich leidenschaftlich gerne mit kleinen Flugzeugen fliege, lag es für mich nahe, mich auch einmal mit der Fotografie aus der Höhe zu beschäftigen. Gute und umfangreiche Quellen im Internet hierzu habe ich leider nicht gefunden, schon gar nicht in deutscher Sprache. Daher möchte ich hier meine eigenen Erfahrungen und einige wichtige Hinweise, die ich von Fotografen dieses Genres zusammengetragen habe, zusammenfassen.

 
Maßgeblich für gelungene Fotos aus dem Flugzeug ist eine gute Vorbereitung:

 
Flugzeug oder Helikopter, und wenn welcher?
  
Bei einer Flugstunde mit einem Kleinflugzeug sollte man mit Kosten von ca. 200-250 EUR /USD rechnen, bei mehreren Fotografen können diese Kosten natürlich geteilt werden, wobei es in der Regel nur einen wirklich guten Fotoplatz im Flugzeug gibt. Bei einem Kolbenhubschrauber muss man mit ca. 1.000-1.500 EUR / USD die Stunde rechnen, bei einem turbinenbetriebenen Heli beginnt die Preisliste gar erst bei 3.000 EUR. Somit wird man schon aus Kostengründen in der Regel ein Flächenflugzeug wählen, wobei der Heli aufgrund seiner Fähigkeit, in der Luft stehen zu können, meist die bessere Fotobasis wäre. Bei der Wahl des Flugzeugtyps ist es wichtig, einen Hochdecker (also ein Flugzeug, bei dem die Tragflächen am Rumpfrücken befestigt sind) zu wählen, um eine möglichst uneingeschränkte Sicht nach unten zu gewährleisten. Die häufigsten Typen sind hier die Cessna 172 und die deutlich größere Cessna 206. Bei der kleinen Cessna 172 lässt sich das Fenster auf dem Copilotensitz während des Fluges wunderbar nach oben öffnen, bei der größeren Cessna 206 muss man hingegen in der Regel durch das Fenster fotografieren, was in der Praxis aber nur einen geringen Nachteil mit sich bringt, wenn das Fenster vorher sorgfältig gereinigt wurde und nicht zu sehr zerkratzt ist. Dies sollte mit dem Piloten im Vorfeld besprochen werden.

 
Auswahl des richtigen Fotoequipments
  
Wie man oben sehen kann, ist der Platz in den Maschinen vorne sehr beengt (besonders in der Cessna 172 links, die Aufnahmen sind mit einem 15mm Fisheye entstanden), daher sollte man nur das allernötigste mitnehmen und einen Objektivwechsel im Flugzeug möglichst vermeiden. Die Kamera sollte detailreiche und rauschfreie Aufnahmen auch bei höheren ISO-Werten liefern können, da wir bei der Fotografie aus dem Flugzeug kurze Belichtungszeiten benötigen. Ideal ist ein stabilisiertes Zoom mit dem Brennweitenbereich von 24-105mm. Als Ergänzung ist eventuell noch ein Fisheye-Objektiv denkbar. Teleobjektive mit mehr als 300 mm lassen sich in der Praxis nur sehr schwer beherrschen. Einen gescheiten Bildausschnitt bei den Vibrationen des Fliegers zu wählen, ist dann oft reine Glückssache.

Ausreichende Speicherkarten und Akkus sollten natürlich griffbereit liegen. Bitte verwenden Sie keinen Polfilter wenn Sie durch das geschlossene Fenster fotografieren, es ergeben sich unschöne Effekte bei den Acrylglasscheiben des Fliegers. Probleme mit Reflexionen der Scheiben (die in der Praxis aber selten sind) kann man vermeiden, indem man einen schwarzen Stoffbeutel nimmt, ein Loch für das Objektiv in den Boden des Beutels schneidet und die offene Seite des Beutels an der Scheibe mit Klebeband befestigt (vorher natürlich den Flugzeugführer um Erlaubnis fragen!)

 
Ein letzter Tipp noch: Sichern Sie Ihre Gegenlichtblende zusätzlich mit einem Streifen Klebeband am Objektiv – wenn sie durch die Vibrationen des Flugzeugs losgerappelt wird, fällt sie seeeeehr tief 🙂

 
Wohin und Wann?

 
Zwei banale Fragen? Mitnichten! Machen Sie sich im Vorfeld einen genauen Plan, was Sie fotografieren möchten, beachten Sie hierbei auch Sonnenstand und Flugrichtung. Schöne Aufnahmen des Strandes an der Westküste der USA werden Ihnen kaum gelingen, wenn Sie nachmittags mit südlichem Kurs fliegen und Sie rechts auf dem Copilotensitz sitzen 🙂

 
Erklären Sie dem Flugzeugführer vorher genau, welche Bilder Sie machen möchten. Vielleicht können Sie ihm ein paar Beispielbilder zeigen, damit er weiß, was genau Sie vorhaben. Die Frage nach dem „Wann“ bezieht sich auf die Uhrzeit. Als Fotograf sind Sie es gewöhnt, dass die besten Bilder frühmorgens oder abends entstehen, wenn die Sonne tief steht und die Szenerie in ein warmes Licht taucht. Bei der Luftfotografie müssen Sie hier in der Regel umdenken, zwar sind durchaus ausdrucksstarke Bilder bei tief stehender Sonne möglich, meist lenken die langen Schatten der Objekte am Boden jedoch vom Motiv ab, und so verwundert es nicht, dass namhafte Luftbildner die Zeit kurz nach Mittag für das Fotografieren empfehlen. Den unangenehmen Effekt des harten Lichts, den Sie sonst kennen, werden Sie bei der Aufnahme von oben in aller Regel nicht feststellen können. Ausreichend hell soll es zudem sein, denn wir benötigen zwingend sehr kurze Belichtungszeiten.

Die Sache mit der Luftkrankheit

 
Menschen, denen in Verkehrsflugzeugen oder auf Schiffen regelmäßig schlecht wird, sollten besser nicht versuchen, aus dem Flugzeug zu fotografieren, denn der permanente Blick durch den Sucher stellt das Gleichgewichtsorgan vor eine schwierige Aufgabe, und so kann es durchaus passieren, dass auch hartgesottenere Mitflieger bei dieser Situation Probleme mit ihrem Magen bekommen. Sicherlich hängt dies auch vom Flugstil Ihres Piloten ab. Derbe Buschpiloten werfen ihre Maschine gerne einmal um 45 Grad auf die Seite, während Piloten von Privatjets auf eine möglichst schonende Beförderung ihrer Passagiere bedacht sind. Deshalb vor dem Flug bitte kein opulentes Mittagessen einnehmen und zur Sicherheit eine Kotztüte einstecken 🙂 Wenn es Ihnen bei der Fotosession schlecht wird, den Blick vom Sucher nehmen, auf den Horizont schauen und tief durchatmen…

 
Die Vorbereitung ist nun komplett? Prima! Kommen wir nun zum praktischen Teil, dem Fotografieren im Flug:

 
Belichtungszeit und Blende

  
Selbst bei Weitwinkelaufnahmen und eingeschaltetem Bildstabilisator sollte die Belichtungszeit mindestens eine 1/500stel betragen, besser ist eine 1/1000stel, um optimal scharfe Bilder zu erreichen. Bei Teleaufnahmen kann manchmal sogar eine 1/2000stel zu lang sein. Blende 5.6 bis 8 dürfte in der Regel ausreichen, um alles auf dem Boden in der Schärfeebene zu halten und Beugungsunschärfen zu vermeiden.

 
Während des Flugs

 
In der Regel haben Sie auf dem Sitz des Copiloten ein Headset auf. Nutzen Sie dieses intensiv, um den Piloten zu instruieren! Nur so weiß er, was Sie möchten. Die Flughöhe sollte nicht zu hoch sein, um Unschärfen durch die Luftmassen zu vermeiden, aber auch nicht zu niedrig gewählt sein, damit Sie etwas mehr Zeit haben, das Motiv im Sucher zu fixieren. Rund 200 Meter Höhe dürfte meistens ein guter Kompromiss sein. Achten Sie beim Blick durch den Sucher ganz bewusst auf die Bildecken. Zumeist ist das Auge auf das eigentliche Motiv fixiert und man übersieht, dass sich Fahrwerk, Scheibenrahmen oder unerwünschte Objekte auf dem Boden in den Bildecken befinden.

  
Bei offenem Fenster halten Sie die Kamera immer im Flugzeuginneren. Warum? Halten Sie einmal die Hand bei 200 km/h aus dem Fenster Ihres Autos… Beim Fotografieren durch ein geschlossenes Fenster bewegen Sie die Kamera möglichst nahe an das Fenster, um Reflexionen zu vermeiden, aber keinesfalls so nahe, dass die Sonnenblende die Scheibe berührt und so die Vibrationen des Flugzeugs ungefiltert übertragen werden.

 
Wenn Sie diese Grundregen beachten, werden Ihnen schöne Aufnahmen aus einer völlig neuen Perspektive gelingen. Sie brauchen noch Inspiration? Dann bestellen Sie hier die DVD Die Erde von oben von Yann Arthus Bertrand.

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